Gegen die Schwerkraft

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Land Art / Sky Art

Gegen die Schwerkraft

1. Mai 2026

Eine Wand, die nicht fallen will

An der Rückseite eines überdachten Pergola-Rahmens hängen hunderte Glasflaschen in senkrechten Reihen — Wein-, Bier-, Apotheker- und Mineralwasserflaschen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Grün, braun, kristallklar. Manche tragen noch die eingeprägten Schriftzüge ihrer Herkunft: Nordhausen, Maybach — Namen, die längst verschwunden sind.

Verbunden sind sie ausschließlich durch farblosen Baumarkt-Silikon. Kein Stahl, kein Draht, kein Gerüst. Sie tragen sich gegenseitig — Flasche trägt Flasche, Reihe trägt Reihe. Und sie trotzen dabei scheinbar der Schwerkraft: von unten wachsend, nach oben strebend, als wollten sie nie fallen.

Der Sockel, auf dem das Werk steht, ist aus Lehm — von eigenen Händen geformt. Kein Fertigmaterial. Kein Beton. Erde.

Blick gegen den Himmel: Licht und Wind brechen durch die Zwischenräume

Titel und Bedeutung

„Gegen die Schwerkraft” ist doppeldeutig:

  1. Physikalisch — die Flaschen steigen auf statt zu fallen. Sie scheinen schwerelos. Sie tragen sich gegenseitig, obwohl nur Silikon sie verbindet.

  2. Metaphorisch — das Werk richtet sich gegen die Schwere des Denkens. Gegen Bürokratie, Kleingeist und Sturheit. Gegen Haltungen, die das Lebendige als störend empfinden.

Der Geist des Werkes entspricht dem Gedicht „Was keiner wagt” von Lothar Zenetti:

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen — was keiner sagt, das sagt heraus — wo alles dunkel ist, macht Licht.

Glasflaschen, die Licht machen. Buchstäblich.

Material und Technik

  • Hunderte Glasflaschen des 19. und 20. Jahrhunderts (recycelt)
  • Verbindung ausschließlich durch farblosen Silikon
  • Selbst gefertigter Lehmsockel
  • Aufgehängt in senkrechten Reihen an einem Pergola-Holzrahmen
  • Manche Flaschen tragen noch eingeprägte Herstellerbezeichnungen (Nordhausen, Maybach, u.a.)

Seitenansicht mit Lehmsockel

Wirkung

  • Licht bricht sich in den Glaswänden, streut und fächert sich auf
  • Wind geht durch die Zwischenräume — das Werk atmet
  • Farbspiel je nach Tageszeit: Grün, Bernstein, Kristallweiß
  • Gegen den Himmel betrachtet: die Flaschen werden transparent, der Himmel spiegelt sich in historischen Prägungen

Historische Flaschen mit Prägungen

Im Garten

Das Werk steht inmitten von Wildblumen — Teil eines lebendigen Kleingartens, nicht in einem White Cube. Hier entscheiden Licht, Wetter und Jahreszeit mit, wie das Werk erscheint.

Gesamtübersicht mit blühenden Wildblumen

Frontansicht im Tageslicht

Das Werk und die Bienen

Neben der Glasflaschenwand stehen Bienenkästen — leer. Am Boden davor liegen zerstörte Waben, geraubt von Waschbären.

Das Licht der Glasflaschen fällt genau auf diese Waben. Dieses Bild — Licht durch Glas, daneben zerstörte Waben — ist das stärkste visuelle Statement des Werkes. Es braucht keine Erklärung.

Flaschenwand und zerstörte Waben — das Werk als Spiegel

Vision: Die dritte Dimension

Das Werk ist unvollendet. Die Vision geht weiter: Wände, die sich gegenseitig tragen, könnten sich zu dreidimensionalen Glas-Architekturen fügen — begehbare Räume, die Licht filtern und verteilen. Skulpturale Gebäude aus Recycling-Glas. Diese Vision bleibt bislang unrealisiert — nicht aus Mangel an Ideen, sondern weil äußere Kräfte den Wuchs des Werkes verhindern.

In der Presse

In der Ausgabe 06/2026 der Verbandszeitschrift „Der Kleingärtner” des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt e.V. (LVGSA) ist ein Artikel über „Gegen die Schwerkraft” erschienen — über die Flaschenwand, ihren Standort im Hallenser Kleingarten und den Gedanken, der das Werk trägt.

Der Kleingärtner · 06/2026 · LVGSA e.V.
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Status

  • Entstehung: 2023 — laufend (unvollendet)
  • Standort: KGV „Am Osendorfer See” e.V., Halle (Saale)
  • Urheberrechtlich geschützt nach §§ 2, 14 UrhG
  • NFT-Kollektion: getgems.io/againstgravity