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Gegen die Schwerkraft
Eine Wand, die nicht fallen will
An der Rückseite eines überdachten Pergola-Rahmens hängen hunderte Glasflaschen in senkrechten Reihen — Wein-, Bier-, Apotheker- und Mineralwasserflaschen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Grün, braun, kristallklar. Manche tragen noch die eingeprägten Schriftzüge ihrer Herkunft: Nordhausen, Maybach — Namen, die längst verschwunden sind.
Verbunden sind sie ausschließlich durch farblosen Baumarkt-Silikon. Kein Stahl, kein Draht, kein Gerüst. Sie tragen sich gegenseitig — Flasche trägt Flasche, Reihe trägt Reihe. Und sie trotzen dabei scheinbar der Schwerkraft: von unten wachsend, nach oben strebend, als wollten sie nie fallen.
Der Sockel, auf dem das Werk steht, ist aus Lehm — von eigenen Händen geformt. Kein Fertigmaterial. Kein Beton. Erde.

Titel und Bedeutung
„Gegen die Schwerkraft” ist doppeldeutig:
-
Physikalisch — die Flaschen steigen auf statt zu fallen. Sie scheinen schwerelos. Sie tragen sich gegenseitig, obwohl nur Silikon sie verbindet.
-
Metaphorisch — das Werk richtet sich gegen die Schwere des Denkens. Gegen Bürokratie, Kleingeist und Sturheit. Gegen Haltungen, die das Lebendige als störend empfinden.
Der Geist des Werkes entspricht dem Gedicht „Was keiner wagt” von Lothar Zenetti:
Was keiner wagt, das sollt ihr wagen — was keiner sagt, das sagt heraus — wo alles dunkel ist, macht Licht.
Glasflaschen, die Licht machen. Buchstäblich.
Material und Technik
- Hunderte Glasflaschen des 19. und 20. Jahrhunderts (recycelt)
- Verbindung ausschließlich durch farblosen Silikon
- Selbst gefertigter Lehmsockel
- Aufgehängt in senkrechten Reihen an einem Pergola-Holzrahmen
- Manche Flaschen tragen noch eingeprägte Herstellerbezeichnungen (Nordhausen, Maybach, u.a.)

Wirkung
- Licht bricht sich in den Glaswänden, streut und fächert sich auf
- Wind geht durch die Zwischenräume — das Werk atmet
- Farbspiel je nach Tageszeit: Grün, Bernstein, Kristallweiß
- Gegen den Himmel betrachtet: die Flaschen werden transparent, der Himmel spiegelt sich in historischen Prägungen

Im Garten
Das Werk steht inmitten von Wildblumen — Teil eines lebendigen Kleingartens, nicht in einem White Cube. Hier entscheiden Licht, Wetter und Jahreszeit mit, wie das Werk erscheint.


Das Werk und die Bienen
Neben der Glasflaschenwand stehen Bienenkästen — leer. Am Boden davor liegen zerstörte Waben, geraubt von Waschbären.
Das Licht der Glasflaschen fällt genau auf diese Waben. Dieses Bild — Licht durch Glas, daneben zerstörte Waben — ist das stärkste visuelle Statement des Werkes. Es braucht keine Erklärung.

Vision: Die dritte Dimension
Das Werk ist unvollendet. Die Vision geht weiter: Wände, die sich gegenseitig tragen, könnten sich zu dreidimensionalen Glas-Architekturen fügen — begehbare Räume, die Licht filtern und verteilen. Skulpturale Gebäude aus Recycling-Glas. Diese Vision bleibt bislang unrealisiert — nicht aus Mangel an Ideen, sondern weil äußere Kräfte den Wuchs des Werkes verhindern.
In der Presse
In der Ausgabe 06/2026 der Verbandszeitschrift „Der Kleingärtner” des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt e.V. (LVGSA) ist ein Artikel über „Gegen die Schwerkraft” erschienen — über die Flaschenwand, ihren Standort im Hallenser Kleingarten und den Gedanken, der das Werk trägt.
Status
- Entstehung: 2023 — laufend (unvollendet)
- Standort: KGV „Am Osendorfer See” e.V., Halle (Saale)
- Urheberrechtlich geschützt nach §§ 2, 14 UrhG
- NFT-Kollektion: getgems.io/againstgravity