Lichtei

Vorschau · Originale exklusiv als NFT

Lichtskulptur

Lichtei

1. September 2025

Eine eiförmige Schale, geöffnet zur Betrachterin. Drei konzentrische Ringe nach innen, ein vierstrahliger Stern im Zentrum, ein dunkles Auge in der Mitte — eine kleine Lücke, durch die der Blick ins Nichts fällt und zugleich von dort zurückkommt. Die Geometrie ist klar. Was sie auslöst, nicht.

Frontalansicht im Grün — zwei Betrachter im Profil

Im Gesamtwerk

Das Lichtei ist die Verdichtung einer Praxis am Licht als eigenständigem Medium. Es bezieht sich auf drei Denker, die im Werk durchgehend präsent sind und in dieser Arbeit zusammenkommen:

Walter Russell — Licht als Schöpfung

Russell beschrieb in The Secret of Light (1947) die Schöpfung als ein Spiel konzentrischer Wellenformen um ein zentrales Nichts. Aus dem Punkt entsteht der Kreis, aus dem Kreis die Form, aus der Form die Vielfalt der Welt. Genau dieses Bild zeigt das Lichtei in seiner Geometrie: das dunkle Auge in der Mitte ist die Quelle, die Ringe sind ihre Aussendung. Nicht Illustration, sondern Verkörperung.

Goethe — Farbe als Tat

In seiner Farbenlehre (1810) ging Goethe gegen Newtons mechanische Optik vor: Farbe sei keine Eigenschaft des Lichts, sondern eine Tat zwischen Pol und Gegenpol, Licht und Dunkel, Sehender und Gesehenem. Im Lichtei werden die Farben gewechselt — die Form bleibt. Was sich ändert, ist immer auch das, was im Auge geschieht.

Schopenhauer — Sehen als Tätigkeit

In Über das Sehn und die Farben (1816) ging Schopenhauer noch weiter: die Netzhaut sei aktiv an der Wahrnehmung beteiligt, jede Farbe das Ergebnis einer Bewegung im Auge. Das Lichtei macht diese These spürbar — wer länger hineinblickt, erfährt sich als Mitschöpfer des Bildes. Es entstehen Nachbilder, Bewegungen, Verdichtungen, die nicht „draußen” sind, sondern in der Wahrnehmung selbst.

Die Form

Studie in Schwarzweiß — die reine Geometrie

Ohne Farbe zeigt sich die Konstruktion: drei konzentrische Ringe, ein gleichseitiger Lichtstern als zentrales Motiv, ein offenes Auge am Pol. Die Wahl der Eiform ist nicht zufällig — sie verweist auf das Schöpfungsmotiv, das in vielen Bildkulturen mit Licht und Ursprung verbunden ist: das Weltei der orphischen Tradition, das kosmische Ei hinduistischer Texte, das uovo cosmico der Renaissance-Alchemie.

Die Geometrie selbst ist streng: vierstrahliger Stern mit gleichlangen Armen, drei perfekt verschachtelte Ovale, ein zentrales schwarzes Auge. Doch bei genauerer Betrachtung zeigen sich Unregelmäßigkeiten — handgefertigt, nicht industriell.

Farbwechsel

Blauviolette Stimmung — zwei Köpfe, eine Form

Im Grün rückt die Form näher und wird körperlich. Im Blauviolett tritt sie zurück und wird Atmosphäre. Im Cyan-Blau zerfällt sie in Polaritäten — innen das Warme, außen das Kühle.

Was Goethe in Worten beschreibt, lässt sich hier mit Augen sehen: Farbe ist nicht etwas, das ist, sondern etwas, das geschieht. Sie entsteht im Wechselspiel zwischen Quelle, Materie und Auge — und jeder Modus erzeugt eine andere Welt.

Asymmetrie

Schwarzweiß-Aufnahme mit sichtbarer Asymmetrie

Bei genauerem Sehen löst sich die scheinbare Symmetrie auf: kleine Verzerrungen, Spiegelungen der Schalenränder, eingeritzte Lichtbahnen. Die geometrische Klarheit ist nicht Perfektion, sondern Bewegung zur Form — Russell beschreibt das als das Ringen der Welle, sich selbst zu finden.

In dieser Asymmetrie liegt auch die Verwandtschaft zu Gegen die Schwerkraft: beide Werke arbeiten mit präziser Geometrie, die sich beim Hinsehen in lebendige Form auflöst. Form ist hier nicht Endzustand, sondern Prozess.

Begegnung

Im Detail — sehr nah, fast Berührung

Auf allen Aufnahmen tauchen Köpfe auf — Profile, Halbschatten, manchmal in Berührungsnähe der Schale. Das ist kein Zufall der Fotografie: das Lichtei ist als Begegnungsobjekt gedacht. Es zeigt sich nicht aus der Distanz. Erst im Hineinblicken — fast wie in einen anderen Raum — eröffnet sich die volle Wirkung. Daher ist auch jedes NFT der Sammlung eine Begegnung dokumentiert: nicht das Objekt, sondern das Ereignis zwischen Mensch und Form.

Status

  • Entstehung: 2025
  • NFT-Kollektion: 7 Editionen (1/1) auf der TON Blockchain
  • Sammlung auf Getgems: Lichtei