NeuCosmic Eggs — Zehn Bilder als NFT, jedes gibt es nur einmal. Zur Sammlung auf Getgems
Cosmic Eggs

Vorschau · Originale exklusiv als NFT

Gegen die Schwerkraft

Cosmic Eggs

19. September 2026

Am 19. und 20. September 2026 stand im Coworking am Klaustor in Halle eine Installation, die es seitdem nicht mehr gibt. Drei sechseckige Spiegelräume auf Sockeln, in jedem ein Feld aus eiförmigen Schiefertafeln, darauf Salz. Wer von oben hineinsah, sah nicht drei Räume, sondern unzählige. Nach zwei Tagen war sie abgebaut. Ich zeige jede Arbeit nur einmal — was bleibt, sind Ausschnitte wie diese.

Die Installation war mein Beitrag zu den Offenen Ateliers Sachsen-Anhalt und zum Themenjahr der Stadt Halle, „Stadt, Licht, Energie”.

Die zehn vollständigen Figuren gibt es als NFT, jede nur einmal. Zur Sammlung auf Getgems

Material

Schiefer, zum Teil aus Lourdes in den Pyrenäen. Einige der flachen, eiförmigen Steine auf den Bildern sind Flusskiesel aus dem Gave de Pau, der in Lourdes unmittelbar an der Grotte von Massabielle vorbeifließt. In dieser Grotte sah die heilige Bernadette Soubirous 1858 Wasser aus dem Fels quellen; seitdem pilgern unzählige Menschen dorthin, um aus diesem Wasser Kraft zu schöpfen.

Sole vom Gradierwerk in Bad Dürrenberg, wo sie über Wände aus Schwarzdornreisig rieselt und in der Luft verdunstet — Salz aus den Lagern eines längst eingedampften Meeres.

Wie das Muster entsteht

Zwei Werkzeuge, die gegeneinander arbeiten. Wo ich vorher mit dem Zirkel in den Stein geritzt habe, zieht sich die Sole in die Rillen, und das Salz kristallisiert entlang der Linien. Wo Kerzenwachs im Schiefer steckt, perlt die Sole ab; dort bleibt der Stein schwarz. Alles dazwischen entscheidet das Salz selbst. Das Muster ist zur Hälfte gezeichnet und zur Hälfte gewachsen.

Salzinseln auf Schiefer
Salz in Inseln und Säumen, dazwischen bleibt der Schiefer dunkel.
Geritzte Blume des Lebens mit Salz
Die Blume des Lebens, mit dem Zirkel geritzt und vom Salz nachgezeichnet.
Schwarze Inseln im Salz
Schwarze Inseln im Salz, an ihren Rändern feine Kristallnadeln.
Tafel fast ganz mit Salz bedeckt
Salz deckt die Tafel fast ganz; nur an einer Seite bleibt der Schiefer dunkel.
Einzelne Salzkörner auf Schiefer
Einzelne Körner, grob auskristallisiert auf glattem Stein.
Salz in feinen Federn auf einer kleinen Tafel
Auf einer kleinen Tafel wächst das Salz in feinen Federn, wie Reif.

Licht

Das Licht kommt nicht von oben. Die LED-Leisten stehen außen, hinter den Spiegeln, und ihr Licht gelangt nur durch eine schmale Fuge unter der Unterkante des Spiegels ins Innere. Dort fällt es flach über die Tafeln. Jede Kristallfläche ist ein winziger Spiegel, und nur die Flächen, die gerade im richtigen Winkel zwischen Lampe und Auge stehen, blitzen auf. Wer sich bewegte, sah ein anderes Bild. Kein Besucher hat dieselbe Installation gesehen wie ein anderer.

Schnittzeichnung: Lichtspalt mit verborgener Diode
Schnitt durch den Fuß eines Spiegels. Die Leiste sitzt höher als seine Unterkante; das Licht passiert die Fuge nur abwärts und landet als Streiflicht auf dem Grund.

Entscheidend ist die unterste Kante des Spiegels. Ein Strahl kommt nur hinein, wenn er unter ihr hindurchpasst. Liegt die ganze Leuchtfläche höher als diese Kante, kann kein Strahl aufwärts ins Innere gelangen. Die Diode bleibt von innen unsichtbar, auch in allen Spiegelbildern. Man sieht das Licht, aber nicht die Lampe.

Schnittzeichnung: Lichtspalt mit sichtbarer Diode
Dieselbe Stelle mit tiefer gesetzter Leiste. Ein Teil der Strahlen läuft flach durch den Raum; in den Spiegelbildern würden die Dioden sichtbar.

Ragt die Leuchtfläche auch nur einen Millimeter unter die Kante, laufen flache Strahlen quer durch den Raum. In den Spiegelbildern blickt man sehr flach auf die fernen Fugen, und genau dort tauchen dann Lichtpunkte auf. Die beiden Zeichnungen sind stark vergrößerte Schnitte aus meinem Rechenmodell, das rund 4000 Strahlen verfolgt.

Am Fuß jedes Spiegels leuchtet die Fuge selbst als feine Linie. Diese Linien setzen sich in den Spiegelbildern fort und bilden das Gitter, in dem die Eier liegen.

Lichtknoten zwischen Spiegelfugen
Ein Lichtknoten: Hier treffen sich die Fugen mehrerer Spiegelbilder.
Lichtspur über geritztem Ornament
Eine Lichtspur zieht quer über das geritzte Ornament.
Streiflicht über geritzter Tafel
Streiflicht über einer geritzten Tafel.
Zwei Lichtfugen treffen sich
Zwei Lichtfugen treffen sich auf dem dunklen Grund.
Lichtsaum am Fuß der Spiegel
Am Fuß der Spiegel ein schmaler Lichtsaum. Die Leiste selbst bleibt verborgen.
Streiflicht teilt eine Tafel in Hell und Dunkel
Das Streiflicht teilt eine Tafel in eine helle und eine dunkle Hälfte.

Echt oder gespiegelt

Die ganze Figur entsteht erst beim Blick in das Kaleidoskop. Von oben sieht man ein volles Lichthexagon: die sechs leuchtenden Fugen am Fuß der Spiegel, darin die Tafeln. Alles, was um dieses Hexagon herum liegt, ist seine Spiegelung, und erst die Spiegelungen vervollständigen die Figur. Wo das wirkliche Ei endet und sein Spiegelbild beginnt, lässt sich dabei nicht mehr unterscheiden.

Ei an der Spiegelkante mit Spiegelbild
Ein Ei an der Spiegelkante, darunter sein Spiegelbild.
Ei zwischen Lichtnähten
Ein Ei zwischen den Lichtnähten. Ob es auf dem Grund liegt oder gespiegelt ist, zeigt das Bild nicht.
Gerundete Spiegel mit gespiegeltem Feld
Die Spiegel stehen im Kreis; in jedem liegt ein Stück des Feldes noch einmal.
Tafeln auf dem Grund und im Spiegel
Oben im Spiegel dieselben Tafeln wie unten auf dem Grund.
Geritzte Tafel im Spiegel
Die geritzte Tafel erscheint im Spiegel ein zweites Mal, angeschnitten von der Kante.
Spiegelkanten und Feld in der Tiefe
Nach hinten wiederholt sich das Feld, bis Grund und Spiegelbild ineinander übergehen.

Deshalb zeige ich hier nur Ausschnitte. Die vollständigen Figuren gibt es nur im Blick in das Kaleidoskop, und von dort aus als Bilder in der NFT-Sammlung auf Getgems.

Was ich darüber denke

Das Vorangehende lässt sich überprüfen. Das Folgende ist meine Deutung.

Salz verbindet für mich Körper, Meer und Kosmos. Schweiß und Tränen sind Salzwasser wie der Urozean; die Heilsole aus Bad Dürrenberg ist ein altes, eingedampftes Meer. Schiefer und Kiesel kommen aus der Nähe einer Quelle, an der Menschen seit mehr als hundertfünfzig Jahren Kraft suchen. Ob der Fluss, aus dem die Kiesel stammen, etwas von diesem Wasser mit sich führt, weiß ich nicht; der Gedanke gehört für mich zur Arbeit. Die Eiform steht für den Anfang — das kosmische Ei, aus dem in vielen Schöpfungsmythen die Welt hervorgeht. Walter Russell hat behauptet, dass alles Licht ist, Materie nur Licht in einer bestimmten Bewegung. Beweisen kann ich das nicht. Was die Tafeln zeigen, ist der umgekehrte Fall: Licht gibt es hier nur dort, wo Materie es zurückwirft. Irgendwo zwischen diesen beiden Sätzen liegt die Arbeit.

Die Bilder

Die vollständigen Figuren sind als NFT-Sammlung auf Getgems geprägt: zehn Bilder, jedes ein Unikat 1/1 auf der TON Blockchain. So wie die Installation nur einmal existiert hat, gibt es auch jedes dieser Bilder nur einmal. Wer eines erwirbt, besitzt es allein.

Zur Sammlung Cosmic Eggs auf Getgems →

Ausblick

Cosmic Eggs gibt es nicht mehr, und ich zeige es nicht noch einmal. Was hier folgt, ist nicht gebaut: Überlegungen aus der Werkstatt, Rechenmodelle und Skizzen für Arbeiten, die es noch nicht gibt. Die Suche läuft. Ob und wie sie zu einem Werk führt, ist offen.

Licht, nicht Halterung

Wie bei Cosmic Eggs soll das Licht durch eine schmale Fuge am Fuß der Spiegel eintreten, flach über Schiefer und Salz streichen und von ihnen zurückgeworfen werden. Neu ist der Gedanke, die Spiegel allein im Gleichgewicht zu halten. Jeder Spiegel klebt an einem Ring aus Weißblech, der Ring steht auf einem kleinen Magneten. Liegt der Schwerpunkt des Spiegels im Lot über dem Magneten, trägt der Magnet nichts, er sichert nur. Der Ring ist eine Hilfskonstruktion: Er soll die Installation stabil halten und dabei nicht in Erscheinung treten.

Modell: Licht durch die Fuge bei einem Dosenring mit festem Durchmesser
D fest, 10 cm: ein Ring aus der Standarddose. Steif, aber er legt die Neigung auf rund 30° fest.
Modell: Licht durch die Fuge bei einem Ring mit gewähltem Durchmesser
D veränderbar, hier 8,25 cm für 20°. Freier in der Neigung, aber weicher.

D ist der Durchmesser des Dosenrings. Oben in beiden Skizzen tritt das Licht durch die Fuge, darunter zeigt das Modell, wie es sich über den Grund verteilt. In beiden Fällen landet fast alles Licht in den ersten zwei Zentimetern hinter der Fuge. Bei 10 cm reicht der Halbschatten über den ganzen Grund, bei 8,25 cm endet er nach 18 cm. Stabiler wird der Spiegel durch einen größeren Ring nicht, denn Halte- und Kippmoment wachsen beide mit D. Welcher Weg trägt, ist nicht entschieden.

Die Stoffe

Walter Russell hat 1926 die Elemente auf eine Welle gelegt, deren Bögen von Oktave zu Oktave größer werden; jede endet in einem Edelgas auf der Mittelachse. Für Russell gibt es keine feste Materie. Alles ist Licht in Wellen, und was wir als Element kennen, ist Licht, das von außen unter Druck verdichtet wurde. Gold und Kupfer unterscheiden sich nach dieser Logik nur in Art und Stärke des Drucks auf das Licht, das nach Russell von der Sonne ausgeht. Woher diese unsichtbare Kraft kommt, die aus Licht feste Materie macht, ist das eigentliche Rätsel seines Denkens.

Ein Bild dafür sehe ich im glühenden Metall. Erhitzt man es, beginnt es zu leuchten, schmilzt und verdampft schließlich: Unter Zufuhr von Energie gibt es Licht preis. Die Physik erklärt das Glühen anders als Russell, als Wärmestrahlung, und Metalldampf ist noch immer Metall. Den Übergang zwischen Materie und Licht kennt aber auch sie. Nach Einsteins E = mc² lassen sich beide ineinander verwandeln, und in denselben Jahren, in denen Russell seine Tafel zeichnete, schrieb Louis de Broglie auch der Materie Wellen zu. Die Stringtheorie denkt sich die kleinsten Teilchen sogar als schwingende Saiten; bewiesen ist sie nicht. Bestätigt ist Russell damit nicht, aber er steht der heutigen Physik näher, als es vor hundert Jahren schien.

Mit der Chemie, wie sie heute gelehrt wird, deckt sich seine Tafel nicht in allem. Ich lese darin, wie die Stoffe des Werks zusammenhängen. Jeder ist ein einzelnes Stück, erst zusammen ergeben sie ein Bild: wie die Instrumente eines Symphonieorchesters, von denen keines allein die Symphonie spielt, oder wie die Schauspieler eines Theaterstücks, von denen jeder nur seine Rolle kennt und die doch gemeinsam ein Stück erzählen, das keiner allein tragen könnte. Die kleinen Ausschnitte sind Nachzeichnungen aus Russells Tafel; rot markiert ist der Stoff, um den es im Absatz geht.

Ausschnitt aus Russells Welle: Kohlenstoff und Sauerstoff markiert

Kohlenstoff steckt in Ölfarbe und Wachs, die die Sole abstoßen. Sauerstoff, zwei Stellen weiter in derselben Oktave, verbindet Silizium mit allem anderen: im Glas, im Schiefer, im Silikon.

Ausschnitt aus Russells Welle: Silizium markiert

Silizium steht am Scheitel der nächsten Oktave. Es ist Spiegelglas, Silikon und Schiefer. Sauerstoff und Silizium machen zusammen fast drei Viertel der Erdkruste aus.

Ausschnitt aus Russells Welle: Natrium und Chlor markiert

Natrium und Chlor sind die beiden Enden dieser Oktave, +1 und −1. Im Salz gleichen sie sich aus, und das Salz wächst auf dem Schiefer.

Ausschnitt aus Russells Welle: Eisen und Argon markiert

Eisen steht dicht vor dem Scheitel der folgenden Oktave, auf der anderen Seite der Achse. Dazwischen liegt Argon, bei Russell ein Ruhepunkt. Eisen ist der Ring, der Hauptbestandteil des Magneten und der Kern der Erde.

Ausschnitt aus Russells Welle: Zinn markiert

Zinn, die hauchdünne Haut der Dose, liegt weiter unten in der Welle, zwischen Krypton und Xenon.

Ausschnitt aus Russells Welle: Neodym markiert

Neodym, das dem Magneten den Namen gibt, liegt noch tiefer, zwischen Xenon und Radon.

Überprüfen lässt sich, was ich über die Stoffe geschrieben habe; ihre Stellungen sind von Russells Tafel abgelesen. Russells Lehre selbst ist eine Weltsicht, keine gesicherte Physik. Das Folgende ist meine Deutung. Gleiches will ich mit Gleichem verbinden, Silikon mit Glas, Magnet mit Weißblech. Gegensätze sollen zeichnen, Wachs gegen Sole. Ob daraus ein Werk wird, weiß ich noch nicht.

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